Stellungnahme: Beuth, Antisemit.
Liebe Mitglieder der Beuth Hochschule für Technik,
wir als AStA der BHT möchten uns im Folgenden zur Sachlage um die jüngst aufgeworfenen Erkenntnisse über den Namenspatron der Hochschule, Christian Peter Wilhelm Beuth, positionieren.
Wie viele andere Mitglieder der Hochschule sind wir schockiert über die Befunde, die Prof. Bühl in seinem Gutachten beschreibt. Hier tritt Beuth – entgegen dem emanzipatorischen Zeitgeist um 1800 – als Mitglied der Deutschen Tischgesellschaft um Achim von Arnim und Clemens Brentano als antisemitischer Hetzer im Wort und als hoher Beamter gegen die Emanzipation der Juden in Deutschland in der Tat auf. Die Befunde aus dem vom Präsidium in Auftrag gegebenen Gutachten konnten kaum dazu beitragen, unsere Verunsicherung abzuschwächen.
Trotz seiner reformatorischen Wirkung auf das Bildungssystem in Berlin und Brandenburg, sowie seinem Beitrag zur industriellen Entwicklung Preußens haben wir große Bedenken, seinen Namen weiterhin unkommentiert und mit großer Außenwirkung  – bundesweit und international  – zu tragen. Es stellt sich die Frage, inwiefern eine derartige Benennung mit dem Anspruch der Hochschule als Ort der angewandten Wissenschaften und zur Prägung zukünftiger gesellschaftlicher Entwicklung durch Forschung und Lehre vereinbar ist. Eine Umbenennung könnte hingegen ein Zeichen für unsere Verbindlichkeit zu humanistischen Werten sein, die jegliche Toleranz gegenüber Diskriminierung und Menschenhass ausschließt.
Wir sprechen uns in diesem Zuge dafür aus, einen ergebnisoffenen Diskurs mit allen Mitgliedern der Hochschule zu führen, in dem auch die Option einer Namensänderung berücksichtigt wird. Wir wünschen uns eine Verhandlung, deren Stand und Ausgang für alle Mitglieder der Hochschule transparent ist und alle Parteien mit einbezieht.
Weiterhin fordern wir eine Aktualisierung des Leitbildes, in dem Beuth bislang (wie auch Schinkel – ebenfalls Mitglied der antisemitischen Dt. Tischgesellschaft) als geistiger Gründungsvater mit humanistischem Anspruch erwähnt wird.
Im Namen der Studierendenschaft fordern wir eine Aufarbeitung des Namens Beuth und, dass die Hochschule ihren Namen in der Öffentlichkeit kommentiert oder ändert, um Beuth nach außen nicht weiter als Leitfigur und Vorbild darzustellen.
Mögliche Maßnahmen könnten z.B. ein Code of Conduct, eine Ausstellung zum Leben Beuths auf dem Campus oder zumindest die Öffentlichmachung der erstellten Gutachten über Hochschulangehörige hinaus sein. Unabhängig davon, wie die Entscheidung bezüglich einer etwaigen Namensänderung ausfällt, ist ein weiteres Informieren über Beuths zwiespältige Person und sein Wirken unverzichtbar.
Ferner fordern wir bis Ende des Kalenderjahres ein Konzept zur Aufarbeitung, welches sowohl eine tiefe Auseinandersetzung mit der Problematik für Mitglieder und Besucher*innen der Hochschule ermöglicht, als auch die Kosten einer etwaigen Änderung und deren Auswirkungen auf Studierende, Lehrende und Mitarbeitende darlegt.
Zu erfahren, dass der Namenspatron unserer Hochschule sich extrem antisemitisch geäußert hat, war schockierend. Noch viel erschreckender waren allerdings zwei Bemerkungen, die am Rande der Diskussion gefallen sind. Prof. Bühl erzählte, er habe beobachtet wie Studierende die ausgeteilten Einladungen zur Informationsveranstaltung am 20. Juni hinter ihm einsammelten und in den Mülleimer warfen. Ein Student äußerte, er könne nicht oder wolle nur ungerne mit Kippa über das Campusgelände laufen, da sich andere Studierende bereits abfällig ihm gegenüber geäußert, sogar vor die Füße gespuckt hätten, wenn er dieses Symbol des Glaubens getragen habe. Wir hoffen, dass es sich hier um Ausschreitungen einiger weniger Studierenden handelt. Dennoch ist jeder einzelne Angriff, der auf die Vielfalt an unserer Hochschule abzielt, einer zu viel. Wir möchten, dass sich an unserem Hochschulcampus jede*r – unabhängig von der Religionszugehörigkeit wohlfühlt.
Die Vergangenheit können wir nicht ungeschehen machen, aber noch wichtiger ist, dass wir uns dem Antisemitismus entgegenstellen, den unsere jüdischen Mitmenschen heute erleben. Daher bitten wir euch, wenn ihr Diskriminierung – sei sie rassistischer, sexistischer oder anderer Art – an unserer Hochschule beobachtet oder selbst erlebt, lasst dies nicht unkommentiert geschehen, sondern werdet selbst aktiv und/ oder wendet euch an uns.
News Reporter

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