Namenspatron Beuth, ein Antisemit?

Christian Peter Beuth, Namensgeber der Beuth Hochschule, war bekanntermaßen Beamter, Industriepionier und Antisemit. Ein Gutachten von Professor Achim Bühl legt nun nahe, dass selbiger eine weitaus größere Rolle bei der ideologischen Weiterentwicklung und Verbreitung gespielt hat, als dass dies unbeachtet bleiben sollte. Eine Veranstaltung des Fachbereichs I im kommenden Monat soll die Erkenntnisse hochschulöffentlich vermitteln und Handlungsempfehlungen geben.

Beuth, ein Vordenker des Judensterns? Der, der den Judenhass zukunftsfähig machte? Einige Zitate und Schlussfolgerungen des einige Dutzend Seiten umfassenden Gutachtens von Soziologie-Professor und Rassismusforscher Achim Bühl lesen sich als harter Tobak. Es ist so harter Stoff, dass aus mancher Seite der Ruf nach einer (erneuten) Umbenennung der Hochschule kommt. Bisher ist für die große Mehrheit unklar, inwiefern die Interpretation von Beuth als “Opfer seiner Zeit” in Frage gestellt werden muss. Die Hoffnung bleibt, dass ein öffentliches Zweitgutachten mehr Klarheit in die Sache bringen könnte. Mehr Antworten verspricht auch die folgende Veranstaltung:

“Ch. P.Beuth und der Antisemitismus der deutschen Romantik”

Mittwoch, 20.6.
16:00 Uhr
Raum B554 (Gauß)

Eine Veranstaltung des Fachbereichs I – Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften

News Reporter
Ich bin BHT-Student und Teil des Rats für Zukunftsweisende Entwicklung (RZE). Ich sitze ich für euch im Fachbereichsrat (FBR) VII, der Akademischen Versammlung (AV) und der Digitalisierungskommission. Bei den Hochschulwahlen Anfang Dezember kandidiere ich für die Akademische Versammlung.

2 thoughts on “Namenspatron Beuth, ein Antisemit?

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    gestatten Sie mir bitte folgenden Kommentar: Antisemitismus ist mir zuwider. Ich bedaure das Schicksal der Juden in Deutschland in der Vergangenheit, die Probleme der Gegenwart, und ich wünsche ihnen in Zukunft ein Leben in Freiheit, Glück und Frieden, sowohl in Deutschland, auch sonst in der Welt und auch in einem eigenen gesicherten Staatswesen.

    Bei dieser Einstellung ist wohl klar, daß ich die Universität nicht unbedingt nach “Beuth” benannt hätte. Ich hoffe, daß niemand auf die Idee kommt, die Universität sei “Beuth” benannt worden wegen dessen Antisemitismus. Aber das kann man ja klarstellen. Ob eine Umbenennung nach einer historischen Gesinnungsprüfung dem Wohle jüdischer Menschen (s. oben) dienlich ist, kann wohl bezweifelt werden. In der Tat, Sie haben recht, da wäre noch manches umzubenennen. Mir fällt da Martin Luther ein, der sich wohl noch krasser als Beuth antisemitisch geäußert hat. Da gibt es Martin-Luther-Straßen, das Krankenhaus, die ganze lutherische Kirche, alles wäre umzubenennen.
    Oder?

    Mit den besten Wünschen für eine gute Entscheidungsfindung hinsichtlich des Uni – Namens

    mit freundlichen Grüßen
    Wilfried Krumme

    1. Sehr geehrter Herr Krumme,
      danke für Ihre Einschätzung! Herr Prof. Dr. Bühl und Herr Prof Dr. Jensen, letzterer Stllvertretender Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin, haben Christian Peter Wilhelm Beuth attestiert, mit seiner Mitgliedschaft in der Deutschen Tischgesellschaft nicht nur eine historische Persönlichkeit mit antisemitischen Äußerungen gewesen zu sein, sondern den Antijudaismus des Mittelalters wissentlich und willentlich in die Frühe Neuzeit getragen zu haben, um eine Gegenbewegung zu demokratischen Bestrebungen im Vormärz zu forcieren. Diese habe erst ermöglicht, dass der biologistische (“rassisch” begründete) Antisemitismus in den folgenden Jahrzehnten überhaupt salonfähig wurde. Eine spätere Aussprache Beuths gegen die Entrechtung jüdischer Bevölkerung in den Ostteilen Preußens widerspräche dem nicht, sondern könnte infrastrukturpolitischen Überlegungen geschuldet gewesen sein.
      Die besondere Schwere dieser Vorwürfe hat in vielen Studierenden das Empfinden hervorgerufen, dass allem Bekenntnis zur Tradition des Standorts zum Trotz, das weltoffene und demokratische Leitbild der Hochschule nicht mehr adäquat durch die Person Beuth vertreten werden kann. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hat deshalb nach meinem Kenntnisstand kürzlich beschlossen, nach Möglichkeit nur noch die Abkürzung “BHT” zu verwenden.
      Es ist sicher aufwändig und mühsam, hier eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden; ich persönlich halte aber das ständige Hervorheben der Diskrepanz zwischen der Biographie Beuths und dem Selbstverständnis der Hochschule für langfristig aufwändiger als Überlegungen einer Anpassung des Namens.

      Mit herzlichen Grüßen
      Paul Jerchel

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